BASTA-Theater
MODERNE ZEITEN
(frei nach "Don Quixote von Cervantes)
 

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MODERNE ZEITEN
(frei nach "Don Quixote von Cervantes)

Nach 400 Jahren der Erstarrung streckt Don Quixote seine morschen Glieder. Er erhebt sich erneut zum Kampf gegen alles Böse. Und schon beginnt der Feldzug des ewigen Träumers gegen die Zerstörung der Umwelt in unseren moderne Zeiten.

Ein Straßenkehrer schließt sich dem Helden als Sancho Pansa an. Dessen Besen verwandelt sich zur Lanze des Ritters, später zum Pferd Rosinante. Eine zum Leben erweckte Schaufensterpuppe entpuppt sich als die angebetete Dulcinea. Ein Blechkoffer wird zur Rüstung und ein Sieb zum Helm.

Derart hochgerüstet ziehen die beiden ritterlichen Gestalten als Retter der bedrohten Natur los. Aus Autos werden rollende Festungen für sie, aus den Verlockungen der Werbung böse Geister. Auf einem Rummel bekämpft Don Quixote ein Riesenrad.

Die hektischen Großstadtmenschen erscheinen ihm als seelenlose Marionetten, die es von fremden Zauberern zu befreien gilt. Unversöhnlich stehen sich die Spinnereien der zwei ritterlichen Gestalten und die Normalität unseres alltäglichen Wahnsinns gegenüber.

Es wäre natürlich ein höchst ungleicher Kampf zwischen den beiden "Verrückten" und den vielen "Normalen", gäbe es da nicht die Kraft des Trotzdem und die Stärke der Träume. Und gerade diese Utopien machen Don Quixote trotz all der Niederlagen letztlich unsterblich.

In dem Theaterstück ist es dann ausgerechnet der "Realist" Sancho Pansa, der die Ideale Don Quixotes aufgreift und diese mit seinen eigenen Mitteln und Möglichkeiten weiterlebt.

ÜBER DAS STÜCK

Das Theaterstück "Moderne Zeiten" ist eine gleichermaßen freche wie strenge Umsetzung der Romanvorlage "Don Quijote de la Mancha": frech, weil die Hauoptfiguren in die Jetzt-Zeit versetzt werden und provokative Parallelen gezogenwerden. Streng, weil sich das Stück an den formalen Aufbau, die grundlegenden Inhalte und die Charakterzeichnungen des Originals hält.

Es ist ein politisches und gleichzeitig komödiantisches Theaterstück, in dem der Schauspieler Rudi Rhode sämtliche Rollen spielt. Vom Titelhelden zum KnappenSancho Pansa oder zu Dulcinea, vom Stadtneurotiker zum Geschäftsmann oder vom Autofahrer zum Pferd Rosinante sind es nur Augenblicke der Verwandlung.

Theatermasken und Körperausdruck reichen völlig aus, um im rasanten Tempo Figuren und Charaktere zu wechseln. Rudi Rhode greift dabei auf Elemente aus Theater, Tanz, Pantomime, Maskentheater, Comedia dell'Arte und Clownerie zurück. Musik und Geräuschcollagen unterstptzen die Darstellung.

Das Stück setzt auf die Sprache des Körpers und den Spielwitz des Schauspielers, der während des gesamten Stücks kein Wort verliert.

DAS MEINT DIE PRESSE:

Die "neuen Abenteuer" des Don Quijote:
Eine bewundernswerte pantomimische Vorstellung
THEATER VOLLER
KRAFT UND POESIE

SINZIG. Theater voller Kraft und Poesie stellte Rudi Rhode am Mittwoch im Rhein-Gymnasium vor. Morgens eine Aufführung für die Klassen 5, 6 und eine für die Klasen 7. 8 und 9. Abends lief dann eine weitere Aufführung vor offenem Publikum. Eine bewundernswerte pantomimische Einmann-Vorstellung, die indes eine ganze Reihe Figuren auf den Bühnenbrettern agieren ließ.

"Modern(d)e Zeiten" heißt das Stück des Theaters „BASTA" aus Wuppertal, das Cervantes' Ritter von der traurigen Gestalt, Don Quixote de la Mancha, mittels aktueller Animation wieder ins I.eben zurückruft.

UNBEACHTETER KOFFER

Das Erlebnis seiner neuen Abenteuer verdankten die Zuschauer den Veranstaltern Forum Kultur Bad Breisig, Rhein-Gymnasium und katholische Erwachsenenbildung.

Alles beginnt mit einem zunächst unbeachteten Koffer. Der öffnet sich, wird zum Buch und entführt seinen verwirrten Leser, dem alsbald die Sinne schwinden, in die Welt des für Freiheit und Gerechtigkeit streitenden Don Quixote. Dem edlen Ritter von Autor Cervantes erging es in seinem Vorleben als literarische Figur ganz ähnlich: nach dem Genuß allzu vieler Ritterbücher fühlte er sich berufen, notfalls mit Lanzengewalt gegen die Übel in der Welt vorzugehen.

Im Stück der Wuppertaler wird aus ihm ebenso wenig ein Held wie im Roman. Zur Unzeit führt er seine Kämpfe gegen ungleiche Gegner. Der "Moderne" trat einstmals gegen Windmühlen an, während der „Moderne" seine Schläge gegen den unablässig ; dahindröhnenden und -strömenden Straßenverkehr und die Sirenen aus der Werbung führt, beide, nicht ohne Blessuren davonzutragen.

Cervantes hatte sich wortgewaltig auf 1000 Seiten austoben können; dagegen legte Schauspieler Rhode 70 Minuten lang sein Können in die Waagschale; eine differenzierte, durch und durch beherrschte Körpersprache, die in Haltung und Bewegung sprechend zum Ausdruck brachte, wie es um Charakter und Verfassung der Dargestellten bestellt war. Unterstützt von Charaktermasken, von Musik und dem Geräuschewirrwarr unserer Tage schlüpfte Rhode in alle Rollen, die des unverbesserlichen Weltverbesserers und die seines ewig zaudernden Gehilfen Sancho Pansa, ein Straßenkehrer. Er trat, die angebetete Dulcinea verkörpernd, als starre Schaufensterpuppe auf und als gewaltbereiter Schlägertyp im prolohaften Imponiergehabe.

Hinreißend spielte der Schauspieler eine Szene vom Geschäftsmann, der, ganz Workaholik, auch während hastig heruntergeschlungener Mahlzeiten das Handy stets griffbereit, konsequent auf den finalen Infarkt hinarbeitet. Eine überzeugende Huldigung an Chaplins "Moderne Zeiten", diese atemberaubende Choreographie der stressigen Arbeitswelt. die dem ganzen Menschen keine Chance läßt. Das Herz, an das er sich zuletzt greift, muß bei soviel kaputtem Leben aus dem Takt kommen.

Trotz trauriger Einsichten ist "Modern(d)e Zeiten" ein herrlich komödiantisches Stück, das mit einfachsten Requisiten zu Rande kommt. Streng nach Cervantes, der seinen Edlen ein Barbierbecken als Helm aufsetzen läßt, greift sein Nachfolger auf der Bühne zum Salatsieb. Der schon erwähnte Koffer dient auch als Rüstung, der Besen mutiert je nach Bedarf zur Waffe oder zum Pferd. Der Ritter selbst ist sich auch in dieser frechen Inszenierung treu geblieben, ein Narr, der seine Utopie in einer maroden Gesellschaft erkämpfen will.

NORMALER WAHNSINN

Aber seine Verrücktheit ist ein Klacks gegen den ganz normalen Wahnsinn unseres Alltags. Cervantes ließ seinen Ritter auf das Spanien des 16. Jahrhunderts los, dessen Merkmale Teuerung, Mißernten, Verelendung, Pest und Inquisition hießen. In Sinzig trat die traurige Gestalt mit ungebrochenem Optimismus gegen die Probleme unserer Zeiten an. Und als Weltverbesserer bei der Berufsausübung scheidet er dahin. Jedoch nicht endgültig. Denn

in dem Augenblick, da sein Herr die Bühne des Lebens verläßt, tritt ein mutig gewordener Sancho mit seinen Möglichkeiten die Nachfolge an.

Unter lebhaftem verdientem Applaus schlüpfte Rhode abschließend ein letztes Mal in alle Rollen und gab den Dank des Publikums weiter an das Theaterteam, das mit Sabine Meis (Masken und Requisiten), Rainer Haussmann (Regie), Tillmann Schrörs und Rudi Rhode Inszenierung) die Aufführung gemeinsam erarbeitete.

Kleiner Spinner Don Quijote
Pantomime Rudi Rhode kämpft mit dem Besenstiel gegen die Windmühlen

-gap- Greven. Die Fliegenklatsche in der Hand ersetzt das symbolische Schwert, das Böses besiegen soll. Der metallene Durchschlag auf dem Kopf wehrt den Gegenschlag, und die Liebe gilt der Rose. Don Quijote ist ein kleiner Spinner. Aber auch er ist ein Produkt seiner Umwelt. Heute sieht die Umwelt etwas anders aus, und deshalb sehen auch die heutigen Don Quijotes etwas anders aus. Die Brücke schlug am Mittwoch abend Rudi Rhode: Er gastierte im Rahmen der Theaterjugendtage im Foyer West des Gymnasiums. (...)

Der Darsteller erläuterte zunächst die Figur des Don Quijote, erklärte kurz, wie es dazu kam, daß der alte Träumer Realität und Imagination plötzlich nicht mehr auseinanderhalten konnte, daß er die schon sprichwörtlichen Windmühlen für feindliche Armaden hielt und dem Wahn erlag. Dann war Schluß mit Text. Die folgenden 70 Minuten, waren Tönen und Pantomime vorbehalten.

Ausgangspunkt der Geschichte, die Rudi Rhode aus der Romanvorlage von Cervantes entwickelt hat, ist ein Straßenkehrer in der heutigen Zeit, der verschreckt zwischen tösendem Straßenlärm seine Arbeit verrichtet. Der schließt sich als Sancho Pansa dem merkwürdigen Kämpfer Don Quijote an. Gemeinsam bekämpfen sie fortan die Feinde dieser Zeit. Zwar sind die Waffen, Besenstiel als Pferd und Lanze, Lederkoffer als Rüstung, etwas unorthodox, aber die Feinde gibt es in nicht personalisierter Form tatsächlich: Den Großstadtstreß, die Umweltzerstörung, die werbetechnische Reizüberflutung.

Das alles spielt Rudi Rhode ganz allein, mit Hilfe von Masken und symbolischen Requisiten schlüpft er im Nu in die verschiedenen Rollen. Gestik, Mimik und schauspielerische Darstellungsformen werden unterstützt durch mitunter tösende Geräuschcollagen. Der Straßenlärm, die hämmernde Werbung - all das war zu beeindruckenden Tonstücken zusammengebaut. Nebenbei erzeugte Rhode trefflich Charaktere. Den starken Draufgänger der den Lukas haut und den Faustkampf nicht scheut, ebenso wie den Businessman, der schnel1 zwischen Tastatur, Telefon und Mittagstisch wechselt, bis ihn der Herzkasper umhaut.

Westfälische Nachrichten, 24.4.98