FANNY MÜLLER:
DAS FEHLTE NOCH!
- Mit Röhm und Hitler auf La Palma -


 

 

WISSENSWERTES ÜBER FANNY MÜLLER

Fanny Müller wurde geboren, kam zur Schule und so ging das dann immer weiter. Sie arbeitete als Zimmermädchen und Büffetstütze, als Stewardeß auf dem Trans-Europa-Express, brachte Afrikanern Deutsch bei, saß mit Jugendgruppen an zugigen Lagerfeuern, hütete französische Kleinkinder, studierte, unterrichtete junge Männer die doppelt so groß und doppelt so laut waren wie sie selbst, wurde geschieden, nachdem sie ein Jahr vorher spontan geheiratet hatte, war zeitweilig Biker-Braut, wovon sie gerne ungefragt Fotos herumzeigt, und haßt jede Art von Spontaneität.

Fanny Müller ist eine der ganz wenigen Frauen in Deutschland, die Satire schreiben. Ihre Geschichten sind durchweg "funkelnde Kleinode", wie das Neue Deutschland meint und die Rheinpfalz schreibt, daß sich Frau Müller täglich auf "Streifzüge über die Zungen der Nachbarn oder Kreuzfahrten ins Gehirn des Every-man" begibt. Das muß Frau Müller erstmal jemand nachmachen.

Die Siegerin im Ersten Offenen Theodor W. Adorno Ähnlichkeitswettbewerb schrieb und schreibt u.a. für Titanic, taz, Brigitte, Spiegel Special, Jungle World, Hörfunk und Fernsehen und liest überall aus ihren vier Büchern vor: "Geschichten von Frau K.", "Mein Keks gehört mir", "Stadt-Land-Mord. Kriminelle Briefe nachgelassener Frauen" (zusammen mit Susanne Fischer) und "Das fehlte noch! - Mit Röhm und Hitler auf La Palma" (Berlin 1997).

 

DAS FEHLTE NOCH! - Mit Röhm und Hitler auf La Palma

"Vielleicht ja doch zu schade zum Wegschmeißen" meinte Fanny Müller und veröffentlichte ihre gesammelten Kolumnen, Glossen und Kurzgeschichten unter "völlig willkürlich albernen Kapitelüberschriften". Ganz so willkürlich sind die aber gar nicht, sondern vielmehr durchaus einleuchtend. Denn wie anders als mit "Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg" könnte man Erfahrungen mit Grammatik, Ufos oder Anrufbeantwortern beschreiben.

Und was liegt näher als opulente Essenseinladungen, Friseurbesuche und langweilige Jugendjahre unter "Wo nehmen wir eigentlich die Kraft her?" zu subsumieren ...

 

 

 

 

 

 

Jede Woche neu!
DIE AKTUELLE GESCHICHTE

"Volles Rooäää!!! - Fäkalstau in Knöllerup" Der neue Werner-Film
Moped, Suff und Männerbanden

Das Werner-Syndrom! Kenn ich, denn vor 18 Jahren, als alles anfing und Rötger Feldmann (Brösel) die ersten Werner-Bücher herausbrachte, war ich gerade Bikerbraut. Allerdings auf einer Harley - zuerst war es eine Panhead, dann eine Soft-tail, falls das wen interessiert - und nicht auf einer Horex: ein Apparat, der auch damals schon selten vorkam. Die Harleys hatten der Horex
gegenüber den Vorteil, dass sie hinten eine Sissibar hatten, das ist der Ort, auf dem die Braut sitzen durfte. Kontaktanzeigen in den ansonsten komplett geisteskranken Bikerblättern beziehen sich, nebenbei gesagt, nicht in erster Linie auf das Aussehen der Damen - geschweige denn auf irgendwelche charakterlichen Eigenschaften - sondern auf das Körpergewicht der potentiellen Begleiterinnen. So ist das!
Frauen spielten und spielen allerdings keine große Rolle und schon gar keine führende. Gewiss, man hat seine Schlampen oder Hühner dabei, (Hühner sind Schlampen unter 20) und auf jedem Bikertreffen ist eine Tittenschau unerläßlich, aber der Sexualkram ist Nebensache; die Hauptsache bleibt das Moped, der Suff, die Drogen und die Männergemeinschaft. Oder umgekehrt. Bei
Werner ist das alles ähnlich, nur fallen da die Drogen weg. Werner ist da sauber.
Ein gewisser Alkoholpegel läßt zwar sexualisiertes Gedankengut hochkommen, das ist aber auch das einzige, was hochkommt - mit einer Inszenierung hapert es im allgemeinen aus physiologischen Gründen, was jedermann nachvollziehen kann.
 
Flach mit action

Jetzt zum Film "Volles Rooäää!!! - Fäkalstau in Knöllerup". Vorweg noch zwei Bemerkungen:  
1. Ich bin keine Filmkritikerin. Dafür müßte ich ja ab und zu mal ins Kino gehen und das tue ich nur, wenn ich dafür bezahlt werde.
2. Nicht vergessen: Sie und ich sind nicht die Zielgruppe.
Handlung: Kapitalist Gündelsen will die Häuser in der Hafenstraße (das kommt mir ja bekannt vor) mit verbrecherischen Machenschaften abreißen, um ein Shopping-Center an deren Stelle zu setzen und bedient sich dabei der Hilfe von Polizei und Skinheads. Die Bewohner, eine Rockerbande inclusive Präsi, Werner und dessen Chef Röhrich wissen das zu verhindern.
Werners Welt ist eine Welt, die völlig in sich geschlossen ist, wie in "Herr der Ringe". Und auch hier soll sie vor dem Bösen gerettet werden und sie wird es. Aber ob Hobbits oder debile Alkoholiker das wirklich bringen? Ich weiß ja nicht...
Über Animation und so`n Zeugs weiß ich auch nichts. Die scheint mir tipp-topp zu sein. Es geht immer munter voran, mal sieht man alles von oben, dann von unten, von der Seite... Langeweile kommt jedenfalls nicht auf. Alles 1a und prima. ich schätze, das ist gut gemacht worden. In den Filmstudios von Köln, Berlin und Saigon. Saigon kommt mir auch irgendwie bekannt vor.
Anfangs gibt es eine lange Moped-Fahrt mit Werner, die einzige Fahrt übrigens, das wird die Moped-Freunde verdrießen, und später fliegt dann andauernd was in die Luft und andauernd wird irgendwas kaputtgemacht und dabei hat man die Flasche am Hals (Bölkstoff) und pisst und kotzt in regelmäßigen Abständen und zum Schluss ist alles vollgeschissen. Gut, dass es noch keine Riechfilme gibt. "Flach mit action" soll Feldmann in einem Interview mal gesagt haben. Dem kann man nur mit vollem Herzen zustimmen.

Als Komik getarnte Idylle männlicher Regression

Ist aber doch ein Klasse Film. Falls man zwischen vier und viereinhalb ist. Oder ein Mann. Kraftausdrücke aus dem Sexualbereich halten sich allerdings in engen Grenzen. In den Grenzen der freiwilligen Selbstkontrolle. Weil man an das Klingeln der Kinokassen dachte, schätze ich,  und in dem Zusammenhang daran, daß Papa auch den 8-jährigen mit ins Kino nehmen und dann hinterher nicht in Erklärungszwang geraten soll. In der deutschen Kleinfamilie ist ficken immer noch tabu, während vom Enkel bis zur Großmutter übers Scheißen prima gemeinsam abgelacht werden darf. Weil nämlich hierzulande noch kaum jemand in die genitale Phase eingetreten, sondern quasi im Fäkalstau steckengeblieben ist. Der einzige Scherz in der Fickrichtung ist dementsprechend kinderfreundlich, d.h. die "Kids", wie es ja neuerdings heißt, verstehen ihn nicht, falls sie nicht sowieso schon versaut sind: Kapitalist Gündelsen lädt seine Sekretärin zu einer "Spritztour" ein. Harhar. Falls auch die Väter ihn nicht verstanden haben sollten, wird  dieser Spaß dann noch zweimal wiederholt.
Was aber beide bestimmt sehr gut verstehen, sind die drei Szenen, in denen der Wunschtraum des Kleinkindes erfüllt wird: Die Bösen ersaufen zunächst in nassem Beton, dann in heißem Teer und zum Schluß in Kacke.
"Eine als Komik getarnte Idylle männlicher Regression" schreibt Seeßlen in Konkret 9/96 über das Werner-Phänomen. Recht hatter.

Kleinbürgerliche arbeitslose Säufer

Die Männer. Die Männer kann man schnell unterscheiden in Gut und Böse. Die Guten sind immer besoffen. Bis auf einen der Hafenhausbewohner, der besoffen u n d böse ist und mir und mich verwechselt, was alle im Publikum, die das nicht tun, und da gibt es ja heute schon eine Menge, zu wahren Lachsalven hinreißen wird - ich habe es selbst erlebt. Überhaupt ist der Erfolg der
Werner-Bücher und -filme wohl darauf zurückzuführen, dass hier ein Humor zum Tragen kommt, der einen über die Dummheit anderer lachen und dadurch ein wohliges Gemeinsamkeitsgefühl enstehen läßt, um es mal milde auszudrücken; während die andere Art von Humor, vorwiegend die angelsächsische, einem die eigene Dummheit vorführt und damit alleine läßt.
Und Meister Röhrich. Der ist gut und n i c h t besoffen.  Dafür checkt der aber auch nie was und arbeitet, ohne dass was für ihn dabei herauskommt; eine Art nützlicher Idiot für die Rocker. Die natürlich n i c h t arbeiten - auch Werner als Lehrling Röhrichs tut nur so als ob -  also strenggenommen kleinbürgerliche arbeitslose Säufer sind und keinesfalls Anarchisten, wie hie
und da in Kritiken angenommen wird. Sie verarschen zwar die obertrotteligen korrupten Polizisten und sind gegen das Großkapital, aber nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil dieses ihnen ihre schmuddeligen Kotzecken wegnehmen will. Diese Jungs also stellen, wie Seeßlen es in dem o.g. Aufsatz beschreibt, Teile des Proletariats dar, das nicht wartet, bis es aufgrund harter, ungeliebter und ausbeuterischer Arbeit den Löffel abgibt, sondern das sich das Löffelabgeben lieber selber besorgt. Gott ja, was besser ist, weiß ich auch nicht.
Das Zugucken beim Sichzuschütten mag ja ganz witzig sein. Witziger finde ich, was die Obdachlosen in Amsterdam gemacht haben. Sie haben an ihrem Asyl ein Riesenschild aufgehängt, das alle, die die Ausfallstraßen nach getaner Arbeit passieren, lesen müssen:"Na Ihr Idioten? Wieder schön gearbeitet heute?"

Alles Votzen außer Oma

Die Frauen. Ja, die kommen vor, aber man vergisst sie gleich wieder: Eine nicht sehr ansprechende Kneipenwirtin, dazu noch reaktionär, d.i. sie gibt darbenden Alkoholikern keinen Kredit mehr; eine Oma; zwei spießige Hausfrauen und eine aufgebrezelte Sekretärin. Letztere soll wohl das Weibliche per se darstellen, hat aber die erotische Ausstrahlung einer toten Miezekatze bzw.
Gummipuppe, und so sieht sie auch aus.
Durchweg unsympathische Figuren bis auf eine Ausnahme: Oma. Eine Oma, nicht etwa eine Mama, wie sie einem in der bekannten Karikatur begegnet, wo sowas wie ein Riesensäugling ein Tattoo auf seinem Bizeps spazierenträgt: "Alles Votzen, außer Mutti". Nein, Mutti ist noch zu nahe dran am Rein-Raus, Oma aber ist jenseits von Gut und Böse und damit lieb und ungefährlich und kein Gegenpart zum ungebremsten Männerwahn.

Kein Bölkstoff mehr

Wie man hört, zeichnet Rötger Feldmann kaum noch selbst, sondern läßt zeichnen. Da wird dann in der übrigen Zeit vermutlich zusammen- und auseinandergeschraubt und herum"gekachelt". Und ein Drehbuch geschrieben und dann auf PR-Tour gegangen. Früher konnte man Rötger & Bruder in der Öffentlichkeit nur mit Bölkstoff in der Hand ausmachen, so wie Gunter Gabriel ohne einen Lkw im Hintergrund nicht denkbar gewesen wäre. Die Sauferei scheint aber heute mehr oder weniger eingestellt worden zu sein, denn "Flasch Bier" steht zwar noch auf dem Tisch, aber bei Signierstunden und auf dem Werner-Cross-Rennen kürzlich in Schwerin sieht man die Herren Feldmann und Crew nur noch mit Mineralwasser. Pikant übrigens, dass dieser Crosslauf für "Kids", an dem mehrere Tausend Kinder und Jugendliche teilnahmen, von den Ordnungskräften Schwerins unter dem Motto "Sport statt Gewalt" organisiert wurde. Und zwar aus ihrem Fonds für Öffentlichkeitsarbeit.

Das Harald-Juhnke-Syndrom

Für die volle Identifikation mit Werner & Konsorten ist außerdem einfach zuviel Geld da. Was die Anhänger Werners nicht stören wird, denn sie brauchen ja den Traum, dass "einer wie wir" das große Geld machen, wie nicht ganz gescheit saufen und trotzdem am Leben bleiben kann (das
Harald-Juhnke-Syndrom), und dieser Irrtum wird unterstützt durch Interviews, die so lauten:
Frage: Was ist das Geheimnis von Werner?
Rötger F. : Werner macht was er will. Die meisten Menschen dagegen machen, was andere wollen. Werner ist das gute Beispiel, dem keiner folgen kann oder sich nicht traut zu folgen. Davon träumen tun sie aber alle.
Frage: Und wie macht ihr das?
Rötger F.: Wir machen, was Werner will
Frage: Und wer ist Werner?
Andi F.: Wir! zwei verrückte Vögel um den Schädel. Das ist nett
Nun, das sind sie keineswegs, aber sagen Sie`s nicht weiter.
Und trotz und alledem: Es ist schon genial, wie Werner vorbei am Feuilleton seit 18 Jahren die Masse der Bauarbeiter auf seine Seite gebracht hat. Das hat was. Da kommt doch eine klammheimliche widernatürliche Freude auf. - Schappoh!

Übrigens: Dem Schipper fliegen, statt  dass er weiße Mäuse sieht,

DAS MEINT DIE PRESSE

" ... Vielleicht kann man auch ohne dieses Buch halbwegs anständig weiterleben. Aber wenn man es einmal hat wird klar, wie sehr es einem zum Verständnis des Weltganzen gefehlt hat."
Diabolo, Oldenburg

"... und lesen sich wie die komischen Kommentare zu den Lebensläufen all jener, die je in einer WG gewohnt haben, die gerne im Sommerschlußverkauf Weihnachtsgeschenke kaufen, deren Postboten einen akademischen Titel tragen und die schon mal auf La Palma waren."
Berner Tagwacht

" ... Es darf garantiert werden, daß ihre Texte größtes Vergnügen bereiten ..."
Pavillon Magazin