| BASTA-Theater: GRENZ - FALL |
![]() |
| Weitere
Produktionen: |
GRENZ - FALL
ODER DER TRAUM VOM
FLIEGEN
Eine Seins-Fiktion: um sich vor der fortschreitenden Umweltverschmutzung zu schützen, lebt der wohlhabende Teil der Menschheit in riesigen Glaswelten - Müll wird ausgelagert, verpestete Luft wird abgepumpt und Eindringlinge werden abgeschoben. Das Leben innerhalb der Glaswelten verläuft in streng ökologischen Bahnen.
Ausserhalb dieser künstlichen Räume herrscht das blanke Chaos. Der überwiegende teil der Menschheit fristet dort ein karges Dasein in der restlos verseuchten Natur. Missernten, Hungersnöte und Flüchtlingsströme sind unausweichliche Folgen dieser Teilung der Welt ind arm und reich. Die einzige Überlebenschance besteht darin, gewaltsam in die streng bewachten Glaswelten einzudringen.Drinnen regt sich erster Widerstand: für Jean, die Hauptperson des Theaterstücks, verwandelt sich der gläserne Schutzraum zunehmend in eine goldenen Käfig. das Leben in der künstlichen Welt gerät mehr und mehr zu einem Albtraum. Die Glaswände scheinen immer enger zusammenzurücken.
Durch die zufällige Begegnung mit Eindringlingen (halb Vogelwesen, halb Menschen) erwacht Jean's Wunsch, den Zustand der Erstarrung und Einengung aufzubrechen. Eine Feder, die er zufällig in der sterilen Glaswelt findet, wird für ihn zum Symbol für den wieder erwachten Traum vom Fliegen.
Innere wie äussere Konflikte werden unausweichlich: denn die Sehnsucht nach Freiheit stößt an die Gitter des goldenen Käfigs...
Das Wuppertaler 'BASTA-Thetaer' hat das Stück GRENZ - FALL 1992 parallel zur Rio-Konferenz für Umwelt und Entwicklung geschrieben. Mit künstlerischen Mitteln wird der notwendige Prozess der Selbst(!)-Veränderung auf eindringliche Weise dargestellt. Statt mit moralischen Appellen wird über theatralische Bilder die Konsequenz unseres zerstörerischen Handelns visualisiert. Gleichzeitig appelliert das Stück an die Kraftt der Phantasie und der Kreativität - an unsere Visionen und Utopien.
Mit eindringlichen Bildern, Masken und Kostümen, mit spärlichen Requisiten, mit einem Bewegungsrepertoire aus dem Grenzbereich von Pantomime, Tanz und Schauspiel und mit ausdrucksstarker Musik bringt Rudi Rhode ein Stück auf die Bühne, das Kopf und Bauch gleichermaßen anspricht.
GERNZ - FALL wurde seit der Premiere etwa 200 Mal im In- und Asuland aufgeführt. In einer überarbeiteten Fassung hat das BASTA-Theater sein Theaterstück 1998 wieder ins Repertoire aufgenommen. Leider haben die Inhalte nicht an Aktualität eingebüßt: der Nordern macht "weiter wie gehabt", und der Süden pocht auf "nachholende Entwicklung". - Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff...
DAS MEINT DIE PRESSE:
Welt mit Federn aus den Angeln gehoben
| B o r g h o 1 z h a u s e n (WB).
»Grenz-Fall... - oder der Traum vom Fliegen«, so der Titel der eindrucksvollen
»Seins-Fiktion« des Wuppertaler Bewegungskünstlers Rudi Rhode zur
Vhs-Semestereröffnung in Borgholzhausen. (...) Die amerikanischen Experimente einer Welt unter Glas im Biosphären"-Projekt und die fremdenfeindlichen Anschläge in Mölln, Hoyerswerda und anderswo seien Impulse zur Entwicklung dieses 68minütigen Stückes gewesen. se der durch körperliche Ausstrahlungskraft beeindruckende Künstler. Während innerhalb der reichen Welt unter Glas alles perfekt ist, herrscht draußen das Chaos. Hier leben Wesen zweiter Klasse - drei Viertel der Menschheit lebt in bitterster Armut. Sie sind der durch Ausbeutung unberechenbar gewordenen Natur schutzlos ausgeliefert. Mit spärlichster Requisite - einige Stoffetzen und phantastisch - ausdrucksstarke Kopfmasken - entwickelte Rhode, sich einzig verlassend auf. perfekte Körpersprache, Schreckens - Szenarien einer verlorenen Welt. Magisch angezogen waren mehr als 70 Zuschauer von dieser überzeugenden Körperarbeit im Grenzbereich zwischen Pantomime, Tanz und Schauspiel. |
Im ständigen Wechsel zwischen der
künstlichen - scheinbar heilen" - und der chaotischen Welt entlarvte Rhode
alle extremen Zustände von Zerrüttung und Entfremdung.Es gibt weder Hoffnung, noch
Berührung zwischen den Welten. Es gibt nur eine kalte Dusche in einer Schleuse - doch
außer Reinlichkeitswahn keine Annäherung, keine Verschmelzung. Angriffe von
Flüchtlingen auf die gläserne Welt des Nordens werden militärisch beantwortet. Gerade
in diesen Situationen ließ sich Rudi Rhode beeindruckend exakt unterstützen durch eine
ausdrucksstarke Musik- und Geräuschkulisse. Die große Verunsicherung der heilen Welt wird wunderbar leicht erlebbar im Spiel mit einer Feder. Gleichzeitig ereignet sich die Faszination des Spiels und die große Angst vor Fremdartigkeit, die sofort mit einem ohrenbetäubenden Alarm beantwortet wird. Es stimmt gar nichts mehr auf unserem Globus. Ein schauriges Ergebnis, in dem vielleicht der Zugang zu einer gerechteren Weltordnung versteckt ist. »Leider haben die Stücke auch nach über 200 Aufführungen nichts von ihrer Aktualität verloren, sonst würde ich sie nicht mehr spielen«, meinte Rudi Rhode, sichtlich erschöpft nach einstündiger Bühnen »Arbeit«. Christiane Schäfer |