| Musiktheater Springinsfeld: HAU AB DU ANGST! |
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HAU AB DU ANGST!
Ein Theaterstück zur Prävention von sexuellem Missbrauch an Kindern
Lotte, frech und unerschrocken, begegnet im Wald dem Musikanten Walther von der Vogelkacke, verfressen und mäßig musikalisch. Beide sind auf dem Weg zum Schloß von Lottes Onkel, dem Ritter Doppelherz.
Weil angeblich im Wald der böse Räuber Grabbelfinger sein Unwesen treibt, darf Lotte das Schloß nicht mehr allein verlassen. Ihr paßt das überhaupt nicht. Lotte glaubt nicht an diesen Räuberquatsch.
Eines nachts grabbelt jemand an ihren Füßen. Es ist eklig und Lotte hat Angst. Als sie ihrem Onkel davon erzählt, erklärt der, es müsse ein Traum gewesen sein. Auch der Musikant will ihr nicht glauben: es kann ja niemand Fremdes unbemerkt ins Schloß kommen.
Zum Glück ist da noch die Fröschin, die sich im Brunnen versteckt hat. Sie glaubt Lotte, auch wenn die keine Lust hat, sie zur Prinzessin zu küssen. Beiden hecken einen Plan aus...
Hau ab Du Angst! versucht, für das Unaussprechliche eine Sprache zu finden, die weder verschreckt noch verharmlost. Für die verschiedenen Formen sexuellen Mißbrauchs wird das Bild des Füßegrabbelns benutzt. Der Vorgang selbst wird nie gezeigt, sodaß die Kinder Lottes Erlebnis mit eigenen Erfahrungen füllen können. Gezeigt wird aber nicht nur Lottes Angst, sondern vor allem ihr Witz, ihre Ideen und ihre Kraft, sich mit Hilfe der Fröschin aus der Not zu befreien.
Die Kinder erfahren mit Lotte, daß sie ein Recht haben, mit ihrem Nein! emstgenommen zu werden, und daß sie belastende Geheimnisse sehr wohl jemandem anvertrauen dürfen, um sich helfen zu lassen.
Hau ab Du Angst! ist bestes Theater für alle Kinder. Mit Humor und viel Musik will das Stück Selbstvertrauen und Mut zum Widerspruch wekken, Eigenschaften, die Kindern helfen können, nicht Opfer von sexueller Gewalt zu werden.
Das Stück zur Prävention von sexuellem Mißbrauch wurde von der Wuppertaler Gruppe Creme Frech entwickelt, von Rainer Haussmann und dem Musiktheater Springinsfeld bearbeitet und im Dezember 1991 in Hildesheim uraufgeführt. Seither ist das Musiktheater Springinsfeld mit dem Stück auf Tour quer durch die Republik. Die Produktion wurde vom Jugendamt Hildesheim begleitet und vom niedersächsischen Frauemninisterium seinerzeit finanziell unterstützt.
'Hau ab Du Angst!' versucht, für das Unaussprechliche eine Sprache zu finden, die weder verschreckt noch verharmlost. Für die verschiedenen Formen sexuellen Mißbrauchs benutzen wir das Abstraktum des ungewollten Angefaßtwerdens. Der Vorgang selbst wird nicht dargestellt, so daß die Kinder Lottes Erlebnis mit eigenen Erfahrungen füllen können.
Gezeigt werden aber nicht nur Lottes Scham und Angst, sondern vor allem ihr Witz, ihre Ideen und ihre Kraft, sich mit Hilfe der Fröschin aus der Not zu befreien. Die Kinder erfahren mit Lotte, daß sie ein Recht haben, mit ihrem "Nein" ernstgenommen zu werden, und daß sie belastende Geheimnisse sehr wohl jemandem anverlsauen dürfen, um sich helfen zu lassen.
Für Kindergruppen kann das gemeinsame Theatererlebnis Anlass sein, über Berührungen und Ängste, Gewalt und Geheimnisse, Sexualität und das Recht auf den eigenen Körper miteinander ins Gespräch zu kommen. Auf diese Weise erfahren betroffene Kinder, daß ihre Freundinnen und Freunde und ihre pädagogischen Bezugspersonen das Problem kennen und ernstnehmen. Hiermit, und dadurch, daß wir eindeutig Stellung beziehen zugunsten des Kindes, wollen wir helfen, Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß diese Kinder vielleicht irgendwann den Mut und das Vertrauen finden, ihre Isolation und ihr Schweigen zu überwinden.
"Hau ab Du Angst!" richtet sich natürlich auch an Kinder, die nicht direkt betroffen sind. Es will Selbstvertrauen und Mut zum Widerspruch wecken - Eigenschaften, die Kindern helfen können, nicht Opfer von sexueller Gewalt zu werden. Um aber das Stück in diesem Sinne zu einem wirklichen Angebot an die Kinder zu machen, muß von den Bezugspersonen, die das Stück besucht haben, eine Nachbereitung geleistet werden. In dieser Nachbereitung sollen Themen und Motive des Stückes aufgegriffen und in Spielen und Gesprächen mit den Kindern verarbeitet und konkretisiert werden. Hierzu bieten wir eine Reihe von Spielideen und Fragestellungen an.
Die eigentliche Verantwortung dafiir, ob Mißbrauch stattfindet, oder ob er verhindert werden kann, liegt aber nicht bei den (möglichen) Opfern. Daher richtet sich das Stück ebenso an Erwachsene und fordert dazu auf, Signale bedrängter Kinder wahrzunehmen, statt davon auszugehen, daß nicht sein kann, was nicht sein darf. Wir bieten daher neben den Vorstellungen vor Kindergruppen separate Vorstellungen vor erwachsenem Publikum an.