| Peter
Lehmann: DER BATARAZ |
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" Wer seinen Hintergrund nicht kennt,
wird es für das Tagebuch eines Verrückten halten ... "
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Auf der Bühne ein Mensch ein Mann, ein Häftling in einer 1 mal 2 Meter Zelle in einer Kaserne, irgendwo in Südamerika er ist schon seit einer Ewigkeit da er spielt, phantasiert stellt sich vor, daß er mit uns reden kann er war schon dabei, sich in einen Baum zu verwandeln und den Nobelpreis bekommt er bestimmt sowieso! auch Gott besucht ihn gelegentlich in Jeans und Lederjacke spielt Mühle mit ihm und versucht ihn als Prophet anzuwerben (ja, auch Gott kannte bessere Tage) Jetzt hat ihm der Oberbefehlshabe Kommt er als Freund oder als Regie: Peter Lehman, Miriam Hilpert. Licht: Ralf Joses |
Peter Lehmann hat aus dem Roman von Mauricio Rosencof einen packenden
Monolog verfaßt, der mit einfachsten Mitteln auskommt: der im'aginierten 1 x 2 m großen
Zelle und den darin stattfindenden "Ortswechseln", die ausschließlich durch
Licht erzeugt werden. Dem Schauspieler gelingt überzeugend die theatrale Verdichtung der
Prosa, die "im Furchtbaren einen unglaublichen Humor" enthält.
Das Stück wurde am Mousonturm in Frankfurt/M. inszeniert und hatte dort im April 1996
Premiere.
Peter Lehmann
Biographische Daten:
| 1943 | geboren in Santiago de Chile | |
| 1948-59 | Schule/Gymnasium | |
| 1960 | Abitur | |
| 1960-62 | Ingenieurstadium an der "Universidad Sta. Maria", Valparaíso, Chile. | |
| 1963-65 | Schauspielstudium an der "Escuela de Teatro de la Universidad de Chile", Santiago. | |
| 1964-74 | als Schauspieler in diversen Theater-, Film- und Fernsehproduktionen tätig. | |
| 1967 | Ensemblemitglied des Theaters der "Universidad Católica". | |
| 1968 | Ensemblemitglied des Theaters der "Universidad de Conepción". (In Chile hatten die Universitäten einen ähnlichen Auftrag wie in Deutschland die Staatstheater). | |
| 1969 | Abschluß der Schauspielschule. | |
| 1970-74 | Ensemblemitglied des "Instituto de Teatro de la Universidad de Chíle" (ITUC). | |
| 1974 | Erzwungene Umsiedlung in die BRD. Regieassistenz mit schauspielerischen Verpflichtungen an den Städtischen Bühnen in Frankfurt/M. | |
| 1975-80 | Ensemblemitglied des Theater am Turm, Franlkfurt/M. | |
| seit 1980 | Freier Schauspieler. Entwicklung des Monologs "Die merkwürdige Entdeckung des Fernando Perez", die Geschichte eines chilenischen Exilanten in der BRD. Über 300 Auffizhrungen in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Schweden und Kolumbien. | |
| 1992 | Mit dem Stück "Die merkwürdige Entdeckung ... " Gast des Goethe- Instituts Santiago de Chile (Dieter Strauß). Vorstellungen in Santiago, Viña del Mar und Concepción. | |
| 1993 | Mit der Theatergruppe Wu Wei, Frankfurt/M., auf Einladung des Goethe-Instituts Peking (Michael Ackermann), den Theaterakademien von Peking und Schanghai, dem Theater von Sezuan und der Stadt Kanton zweimonatige Tournee durch China mit den Stücken "Der gute Mensch von Sezuan ", Brecht, und "Das Notwendige und dasÜberflüssige" (Nestroy). | |
| 1994 | "Der andere Hund ", eine, gemeinsam mit der Gruppe Wu Wei entstandene Bearbeitung der Erfahrungen der Chinareise. | |
| 1995 | Vorbereitung, Bearbeitung und Inszenierung von "El Bataraz" nach einem Roman von Mauricio Rosenco£ . | |
| 1996 | Im April Premiere von "Der Bataraz" am Mouson-Turm, FrankfurtlM. |
| "...Die Phantasie der Täter kennt keine Grenzen, die
Leidensfähigkeit der Opfer auch nicht. Tödlich ist erst das mißbrauchte Vertrauen. Der
Zuschauer ist dankbar für das Glück der Nichtseins, nachdem Lehmann ihn an den Schmerzen
hat teilnehmen lassen: erst zurückhaltend, dann so intensiv, daß man sich vor Spannung
kaum zu retten weiß." FAZ, 21.04.1996 |
| "...Lehmann, der wechselseitig in beide Rollen
schlüpft, setzt dieses erschütternde literarische Moment beneso beieindruckend und
atemberaubend in Szene. ... Ein großes Kompliment an einen großen Schauspieler, der
einem großen Schriftsteller seine Stimme lieh." WAZ, 18.05.1996 |
| "... Lehmann fasziniert ohne Bühnenbild und
Requisite allein durch sein Spiel. Vier Kreidestriche auf dem Bühnenboden schränken
seinen Aktionsradius ein, machen die Enge dieser Isolationszelle geardezu körperlich
spürbar. ... Die Zuschauer feierten den Schauspieler des "Bataraz" und
verbeugten sich vor Mauricio Rosencof, der dieses Kerkerdrama durchlebte und literarisch
verarbeitete. ..." Lübecker Nachrichten, 22.06.1996 |
THEATERJUGENDTAGE: Peter Lehmann mit starker
Leistung
Verzweiflung bis zum Wahnsinn
Von G r e v e n - "El Bataraz" meint eigentlich in einem spanischen Dialekt, der in der Gegend um Buenos Aires herum gesprochen wird, einen schwarz-weiß gespickten Hahn. In der Bevölkerung ist "El Bataraz" auch eine Metapher fiir ein armes Schwein". "El Bataraz" war auch der Name des Stückes, das Peter Lehmann am Sonntagabend im Rahmen der Theaterjugendtage im Foyer des Grevener Gymnasiums aufführte. Isolationshaft, Folter, Verzweiflung bis an den Rand des Wahnsinns und Schmerz wurden hier thematisiert, es ging eben um ein "armes Schwein". Im Zentrum des Stückes steht irgendein Häftling, der schon ewig lange irgendwo in Südamerika in Isolationshaft "gehalten" wird. Doch ganz allein ist er nicht, der Hahn Tito, der ihm vom General geschickt wurde, ist sein ständiger "Begleiter". |
Mit erstaunlicher Wandelfähigkeit stellte Peter Lehmann den Häftling dar, dessen Alltag im Gefängnis, dem "Hühnerstall, dessen Zinkdach von meinem kahlgeschorenen Schädel gestützt wird", ein sehnsuchtsvolles Warten auf den Tod bedeutet, obwohl man nicht stirbt, denn "zu leben ist das Gesetz des Menschen". Von Folter geprägt ist das Leben des Häftlings, aber auch das des Hahns Tito. Oft verschmolz Peter Lehmann die zwei Figuren, es war kaum auszumachen, wen er gerade darstellte. Auch die Rolle des Hahns war wandelfähig. So nahm er dem Häftling den Raum in seiner ein mal zwei Meter kleinen Zelle. Irgendwann kommt der namenlose Häftling auf die Lösung: "Ich bin Teil von Titos Trainingsprogramm für den Hahnenkampf". Nach dem Hahnenkampf "schwebt sich.der Häfttling frei". Mit vielen Spitzen gespickt, brachte Peter Lehmann seine Bühnenfassung des Romans von Mauricio Rosencof auf die Bühne, |
díe er gemeinsam mit Miriam Hilpert erarbeitet hat. Peter Lehmann hat auch eine spanische Fassung des Stückes geschaffen, das viele autobiographische Züge hat, da Mauricio Rosencof selbst elfeinhalb Jahre in Isolationshaft verbringen mußte. Mit der spanischen Fassung war Lehmann bereits in Spanien und Südamerika mit großem Erfolg auf Tournee. Nach dem Stück herrschte in Greven jedoch beklommenes Schweigen. Peter Lehmann hatte auf seine eigene Weise mit besonders ausdrucksstarker Mimik den "El Bataraz" dargestellt, so daß dem Publikum an den witzigen Stellen, die durchaus vertreten waren, das Lachen im Halse stecken blieb. Es dauerte auch eine kurze Weile, bis der Künstler seinen hochverdienten Applaus entgegennehmen konnte. |
| Bruchköbel Ein Funken Hoffnung Ein Mensch betritt eine leere Bühne. Abschätzend mit Augen und Füßen durchmißt er das Podium und markiert schließlich, leise vor sich hinsummend, mit Kreide ein Rechteck von zwei Quadratmetern. Mit dem Moment; in dem sich die letzten Zentimeter zwischen Länge und Breite schließen, verwandelt sich der .Mann vom Raum-greifenden Akteur in den Gefangenen Che. "Ohne alles", aber begabt mit einer einprägsamen Fabulierstimme und einer facettenreichen Körpersprache realisiert Peter Lehmann "Der Bataraz" - ein Theaterstück nach dem Roman des uruguayischen Dichters Mauricio Rosencof. Lehmann nennt seine Bühnen-Adaption "ein Solo fiir Menschenrechte". Zu Recht. Denn was der Mime in eineinhalb Stunden innerhalb der Kreidemarkierung vollführt, ist ein Plädoyer für politisch Verfolgte. Mit Wut, Humor,. entlarvender Ironie und der Kraft der Phantasie läßt er "Che" fiir ein menschenwürdiges (Über-) Leben kämpfen. Dazu schlüpft er monologisierend - nicht nur in die Rolle des Gefangenen, sondern er stellt, mit schneidendem oder schnärrendem Befehlston Kommandant und Wachpersonal dar, hält Schein-Dialoge mit einem Federvieh, das den Hühnerstall-ähnliclien Knast mit ihm teilt oder er imaginiert sich seine Elter, läßt Kindheitserlebnisse und Naturerscheinungen aufleben und führt diese Erinnerungen szenisch vor. Mit diesen Phantastereien, die teils autogenes Training, teils Isolations-bedingte Halluzinationen sind, trotzt er Hunger, Durst; Kälte, Einsamkeit und Folter . Sowohl der Autor wie der Akteur wissen, wovon sie schreiben und sprechen. Rosencof hat in "Der Bataraz" Erfahrungen aus zwölf Jahren Einzelhaft aufgearbeitet. Lehmann,. dessen Eltern aus Nazi-Deutschland nach Chile ins Exi1 gingen, mußte seine Heimat nach dem Pinochet-Putsch verlassen, floh vor der chilenischen Militärdiktatur in die Bundesrepublik. Auf Einladung der Ökumenischen Werkstatt Main-Kinzig, der Nicaragua-AG der Heinrich-Böll-Schule und des Kulturverein Wundertüte zeigte I:ehmanns eine Rosencof- Dramatisierung in der Aula der integrierten Gesamtschule. Er führte die 'Zuschauer/innen dabei bis an die Grenze des Erträglichen und wußte dann doch noch in den Augenblicken schlimmsten Grauens einen Funken Hoffnung zu entzünden, ein widerständiges "Trotzdem" aufblitzen. Wie etwa, wenn er sich in größter Not wünscht, wie ein Baum zu sein, denn "Bäume haben. keine Angst und sterben. aufrecht". Da wird Lehmann zum männlichen Pendant von : Gioconda Bellis "Bewohnte Frau". |
«Der Bataraz»: Ein Überlebensbuch aus Uruguay
Wahnsinn und Würde
| Mauricio Rosencof, uruguayischer Autor und
Mitbegründer der Befreiungsbewegung Tupamaros verbrachte elf Jahre seines Lebens in
Isolationshäft. In seinem Buch «Der Bataraz" hat er diesen Jahren des absoluten
Nichts eine Sprache gegeben. Ein Protokoll des Grauens und dennoch voller Zuversicht und
Zärtlichkeit. Von Erích Hackl In seinem «Buch der Umarmungen» erinnert der uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano daran, dass in der Strafanstalt von La Libertad in den Jahren der Militärherrschaft Gefangene in den Bunker gesteckt wurden, weil man sie dabei ertappte wie sie Vögel oder Liebespaare oder schwangere Frauen zeichneten, oder weil sie ein mit Blumenmotiven bedrucktes Handtuch benutzten. Ein kahlgeschorener Häftling wurde bestraft, weil er «ungekämmt den Speisesaal betreten» hatte. Ein anderer «weil er den Kopf unter der Zellentür durchgesteckt» habe, obwohl es unter der Tür nur eine Ritze von wenigen Millimetem gab. In den Bunker wanderte auch ein Gefangener der «versucht hatte, sich mit einem. Fanghund anzufreunden, und ein anderer der «einen Hund, reguläres Mitglied der Streitkräfte Uruguays, mit Schimpfworten herabgewürdigt» habe. Ein weiterer wurde bestraft, weil er «ungerechtfertigter Weise wie ein Hund gebellt» habe. Galeanos Landsmann Mauricio Rosencof, Dramatiker, Lyriker und Mitglied der Nationalen
Befreiungsbewegung Tupamaros hat elfeinhalb lahre - von 1973 bis 198l - in Isolationshaft
zugebracht; in Montevideos La Libertad ging es vergleichsweise harmlos zu - hier wurde er
verhört, misshandelt, gefoltert. Denn das erklärte Ziel der Militärs, ihn und die
anderen Geiseln in den Wahnsinn zu treiben, wurde erst in entlegenen Kasernen verfolgt. In
der Tat sind zwei der neun führenden Tupamaros verrückt geworden. Einer starb im Kerker,
ein anderer (Raul Sendic, Gründer der Nationalen Befreiungsbewegung) vier Jahre nach
seiner Freilassung an den Folgen der psychischen und physischen Tortur. Höllenfahrt über alle Grenzen Die literarische Antwort auf diese selbstgestellte Frage liegt jetzt auf deutsch vor: « Der Bataraz » ( Hahn, Gockel) ist ein hinreissender Monolog, ein wilder assoziativer Reigen, eine Höllenfahrt über alle Grenzen von Wirklichkeit und Phantasie. In einer schlichten. doch ungeheuer ausdrucksstarken Sprache wird die Entkörperlichung eines Menschen deutlich, der unablässig das Gespräch sucht, ein stummes Gegenüber in seine Rede einschliesst. Die äussere. empirisch fassbare Welt des Gefangenen ist auf ein Minimum beschränkt: nackte Wände, Betonboden. einmal täglich Klogang, unerträglich rohe Spässe der Bewachec Aber seine Wahrnehmungsfähigkeit wächst, je mehr ihm die Isolation zusetzt. Wortfetzen, díe manchmal in seine Zelle dringen, bieten ihm Anlass für erregende Tagträume, er folgt allen Verästelungen seiner Erinnerung und Intuition. unternimmt bizarre Reisen durch Raum und Zeit.Eines Tages wird ein Hahn zu ihm in die Zelle gesperrt, der Hahn kräht nicht: er spricht. sie streiten und versöhnen sich, der Mann beginnt dem Hahn zu ähneln, |
zieht ein Bein an, krallt die Zehen zusammen, zuckt kurz und
abgehackt mit dem Kopf. Gibt es den Hahn wirklich, oder ist er nur die Verdoppelung des
Helden, oder ist der Held ein Hahn und der Hahn ein Held? Und wie steht es mit dem Wort
«Schweden», das er aufschnappt und das ihn stunden- oder wochenlang beschäftigt?
Vielleicht will man ihn ins Ausland abschieben, nach Stockholm, wo der Nobelpreis auf ihn
wartet, und mit dem Preisgeld wird er sich eine Gefiügelfarm kaufen, an einem Bach, in
dem er Seehechte aussetzt, mit Orangenbäumen. Bienenstöcken, Maisfeldern. Und soll man
ihm den Schiffbruch vor der Küste Grönlands nicht doch glauben, die Geschichte vom Mann,
der sich schämt, am Lagerfeuer sein Wasser abzuschlagen, und der hinaus in die Kälte
geht und erst nach zwei Stunden gefunden wird, samt seinem gefrorenen bernsteinfarbenen
Urinstrahl? Eines Nachts wird Tito, der Hahn, abgeführt, «von einem Hauptmann, einem Gefreiten und vier Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten». Er wird gerupft, gefoltert. verstümmelt. Verrückt? Reine Erfindung? Nicht unbedingt, wenn wir an die Urteilsbegründungen von La Libertad denken. Wirklich verrückt dagegen, dass am Weihnachtsabend, während draussen die Soldaten feiern. Jesus Christus in der Zelle auftaucht. « Er zog eine Marlboro mit Filter aus der Tasche und begann zu rauchen. Marlhoro lights. Das war vollkommen unpassend. Ich hätte mir vorstellen können, wie er auf einem groben Kissen sitzt, die Beine übereinandergeschlagen und eine Wasserpfeife mit Rosenduft raucht. Aber Malboro!» Tiere foltern nicht Dem möglichen Missverständnis, Rosencof habe durch die Erfindung oder Verdoppelung des Hahns auf die Vertierung der Militärs hinweisen wollen, hält der Erzähler die «moralische Verfassung" von Tieren entgegen: «Selbst die, die wir Bestien nennen, foltern nicht ihren Nächstetn. Sie sperren ihresgleichen nicht ein, sie verpassen ihnen keine Prügel, weder Blecheimer noch 220 Volt, haben keine Ahnung von Folterbänken noch vom Aufhängen. Die einzige Art, die darauf spezialsiert ist, ihren Nächsten zu zerstören, ist die menschliche, Tito, zum Glück sind wir Geflügel, so Gott will.» Die Geschichte vom Bataraz steigert sich zu einem furiosen Ende. Immer schwerer wird es, lesend zwischen Wahrnehmung und Einbildung zu unterscheiden. Aber dieser Gefangene, der Rosencof einmal war, scheint gerade aus den Wahnvorstellungen, in die er getrieben wird, die Kraft zu ziehen, dem Wahnsinn standzuhalten. Es ist ein Zeichen für den hohen Rang dieser Prosa, dass sie in jeder Zeile auf jeder Seite der Würde des Rechtlosen huldigt. In einem Gespräch über seine schrecklichen Jahre hat Mauricio Rosencof gerade darauf bestanden: «Ohne Würde gibt es keinen Grund zum Überleben.» Und weiter: «Um überleben zu können mussten wir uns von der Außenwelt lösen, teilweise bis zu einem Grad emotionaler Abstumpfung. Die Welt existierte nur in unserem Inneren. Augen existierten nicht. Wir mussten davon ausgehen, dass wir nicht mehr rauskommen würden, dass uns nur blieb, in Würde zu widerstehen.» Mauricio Rosencof ist 1933 als Sohn jüdischpolnischer EinwanderInnen, die Zeit ihres Lebens miteinander jiddisch sprachen, geboren worden. Schon in den sechsziger Jahren galt er als einer der bedeutendsten Dramatiker Uruguays. Würde, Zuversicht, Zärtlichkeit bilden den Gehalt seines Schaffens. «Der Bataraz», den man mit Recht sein Hauptwerk nennen kann, ist ein Protokoll des Grauens. Aber dieses Grauen zerschellt an der Hilflosigkeit eines einzelnen. Dass wir dies erkennen, liegt auch an der Kunst der Übersetzerin Barbara Frey, die den Reiz der Geschichte und die Fülle literarischer Anspielungen im Deutschen bewahrt hat. |