MAURICIO ROSENCOF:
DIE BRIEFE, DIE NIE ANGEKOMMEN SIND


MAURICIO ROSENCOF

Mauricio Rosencof, Jahrgang 1933, ist Nachkomme jüdischer Emigranten aus Polen. Das politische Engagement seines Vaters und die Ermordung vieler seiner Verwandten in Auschwitz und im Warschauer Ghetto prägten seine politische Einstellung. Schon früh schrieb er als Journalist über die soziale und politische Realität Uruguays; seine ersten Theaterstücke waren ebenfalls von sozialkritischen Themen bestimmt. Anfang der sechziger Jahre erlebte er die Situation der Zuckerarbeiter in Uruguay, was zu seiner Radikalisierung und schließlich zur Gründung der legendären MLN/TUPAMAROS führte. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung zwischen der Stadtguerilla und den damals herrschenden Militärs wurde er zusammen mit acht Genossen als "Geisel des Staates" in verschiedenen Verliesen unter unvorstellbaren Bedingungen 13 Jahre gefangengehalten. Elfeinhalb Jahre davon verbrachte Rosencof in nahezu absoluter Isolation.

Nach seiner Freilassung 1985 widmete sich Rosencof verstärkt seiner literarischen Arbeit. Bis heute hat er 17 Theaterstücke und sieben Bücher (Gedichte, Erzählungen) veröffentlicht. Seine Theaterstücke wurden in acht lateinamerikanischen und europäischen Ländern inszeniert. Seine Werke sind in sechs Sprachen übersetzt. Einen seiner größten Erfolge konnte er im März 1995 verzeichnen: Die Vertonung seiner Gedichte, „La Margarita", durch den uruguayischen Musiker Jaime Roos wurde mit einer Platin-CD ausgezeichnet. Beim Internationalen Filmfestival in Havanna (Cuba) im Dezember 1997 wurde das Drehbuch zum Film „La Margarita" mit einem Preis ausgezeichnet.

In Deutschland wurden bislang drei seiner Stücke inszeniert: „Das Kind wartet" (1989), „Die Schlacht im Stall" (1995 und 1998), „Der Bataraz" (1996). Seine 1997 erschienene Erzählung „Die Briefe, die nie angekommen sind" wurde im November vom Österreichischen Rundfunk als Hörspiel ausgestrahlt.

 

DIE BRIEFE, DIE NIE ANGEKOMMEN SIND

In "Die Briefe, die nie angekommen sind" gelingt es Mauricio Rosencof brillant, die Unvoreingenommenheit Kindlicher Eindrücke mit Zeitgeschichte zu verbinden. Obwohl seine Eltern schon vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland aus Polen nach Uruguay kamen, und er selbst bereits in Uruguay geboren wurde, war Rosencofs Kindheit vom Einwanderermilieu bestimmt. Eingeprägt hat sich ihm auch der Tod vieler naher Angehöriger in den Vernichtungslagem von Auschwitz und Treblinka, der ihn als ferne Nachricht erreichte: eher vermittelt durch den Blick des Vaters als durch eine reale Botschaft. Die Kindheitserinnerungen, die in spielerischer Form in der kindlichen Sprache seines Viertels in Montevideo wiedergegeben sind, vermischen sich mit den möglichen Briefen seiner polnischen Verwandten, die von einem mörderischen und menschenverachtenden System berichten.
Die Lesungen von "Die Briefe, die nie angekommen sind" werden in spanischer und deutscher Sprache gehalten. M. Rosencof liest Auszüge aus der Erzählung auf Spanisch. Auf deutsch wird die gesamte Erzählung gelesen.

 

 

DIE BÜCHER

HUNDELEBEN
Literarische Einmischungen eines Tupamaros

Der kleine Sammelband enthält Essays, Gedichte und Interviews. Mauricio Rosencof spricht über Kerker und Widerstand, Träume und Realität, Literatur und Theater sowie die Geschichte Lateinamerikas. Die Texte bieten einen Querschnitt durch seine politische Biographie und literarische Produktion. Sie bestechen durch ihren Humor und eine mitreissenden Liebe zum Leben.

Hamburg, 1989, Verlag Libertäre Assoziazion, ISBN 3-922611-13-3

WIE EFEU AN DER MAUER
Erinnerungen aus den Kerkern der Diktatur

In einem atemberaubenden Dialog mit seinem ehemaligen Zellennachbarn, Ko-Autoren und politischen Weggefährten Eleuterio Fernández Huidobro berichtet er über seine Jahre in Isolationshaft. Ein außergewöhnliches zeitgeschichtliches Dokument, das international auf größte Beachtung stieß und den Hintergrund des Romans "Der Bataraz" erhellt.

Hamburg, 1990, Verlag Libertäre Assoziazion, ISBN 3-922611-14-1

DAS LIED IM KIESELSTEIN

In zwölf noch im Gefängnis für seine Tochter geschriebenen Erzählungen läßt der Autor die Welt in einer poetischen und wunderbaren Weise von neuem entstehen. Ein wunderschönes Buch für Erwachsene und Kinder mit farbigen Illustrationen von Elbio Ferrario.

Hamburg, 1991 Verlag Libertäre Assoziazion, ISBN 3-922611-18-4

DIE FUNKTION DER ERINNERUNG

Der Essay über die Bedeutung der "Zeugnisliteratur" erschien in dem Buch: Lebenswege. 15 Biographien zwischen Europa und Lateinamerika, hrsg. von Gert Eisenbürger.

Hamburg, 1995, Verlag Libertäre Assoziazion, ISBN 3-922611-48-6

ALS DER KERKER ZUR THEATERWERKSTATT WURDE

Neben einem Interview und Essays zum Theaterschaffen Mauricio Rosencofs enthält der Band die noch im Gefängnis geschriebenen Dramen "Die Schlacht im Stall", "Antonios Jacke" und "Das Kind wartet". (Dieses Buch ist im Selbstverlag erschienen).

Hamburg, 1995 Büro für Kultur- und Medienprojekte,
info@kultur-und-medien.com

DER BATARAZ

Mit dem Roman "Der Bataraz", in dem sich Rosencof erneut mit seiner Kerkerhaft auseinandersetzt, hat er zweifellos sein literarisches Meisterwerk geschrieben. Es ist "ein hinreißender Monolog, ein wilder assoziativer Reigen, eine Höllenfahrt über alle Grenzen von Wirklichkeit und Phantasie..."

Hamburg, 1991 Verlag Libertäre Assoziazion, ISBN 3-922611-47-8

DIE BRIEFE, DIE NIE ANGEKOMMEN SIND

Zwei Kinder in Montevideo, in den frühen vierziger Jahren, versuchen zu verstehen, was mit den Verwandten geschehen ist die in Polen zurückgeblieben sind. Sie ahnen nur den Schrecken - und übertragen ihre Angst, ihre Wut auf das, was sie umgibt.
Kindheitserinnerungen verschränken sich mit Briefen, die Zeugnis ablegen wollen. Aber es sind nur ersehnte, fiktive Briefe. Rosencofs neueste Erzählung besticht durch die Sprache, die von kindlicher Logik geprägt ist und so die Geschichte in einem Blickwinkel erscheinen läßt.

Salzburg,1997, Residenz-Verlag, ISBN 3-7017-1086-4